Das Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitäts – Syndrom (ADHS)

Das ADHS (Aufmerksamkeits – Defizit – Syndrom) mit Hyperaktivität ist umgangssprachlich auch bekannt als das Zappelphilipp – Syndrom. Es stellt eine Unterform des allgemeinen Krankheitsbildes des Aufmerksmkeits – Defizit – Syndroms (ADS) dar, denn nicht alle Kinder leiden unter der hyperaktiven Variante des Krankheitsbildes.

Kinder, die unter dieser Erkrankung leiden, treten durch unaufmerksames und unkonzentriertes Verhalten in Erscheinung. Sie sind leicht aufbrausend und sehr impulsiv, geraten häufig in Konflikte und stehen sich oftmals selbst im Weg.

Die Ursache für die Entstehung eines ADHS liegt weder in einer unzureichenden Erziehung, noch können Kinder eigenständig etwas an ihrem Verhalten ändern. Vielmehr konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Menschen mit einem Aufmerksamkeits – Defizit – Syndrom (ADS) unter einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn leiden. Diese veränderte Funktionsweise kann genetisch vererbt werden, wodurch sich familiäre Häufungen auch über Generationen hinweg erklären lassen.

Ursache der veränderten Funktionsweise des Gehirns ist ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Katecholamine), die Reize von Nervenzelle zu Nervenzelle weiterleiten. Dabei ist jeder Botenstoff spezifisch – je nach eintreffendem Reiz – zur Reizweiterleitung beauftragt und somit beeinflusst jeder Botenstoff das menschliche Verhalten in besonderer Weise. Man geht beispielsweise davon aus, dass Noradrenalin die Konzentrationsfähigkeit beeinflusst und somit auch die Fähigkeit aufmerksam zu sein, während Dopamin sich auf die körperliche Aktivität auswirkt und Serotonin in besonderer Weise die Stimmung beeinflusst. Hieraus erklärt sich auch, weshalb häufig Medikamente aus der Sparte der Psychopharmaka, in der Regel Stimulanzien, zur Behandlung eines ADHS eingesetzt werden.

Stimulanzien haben eine spezielle Wirkung auf den Dopaminhaushalt. Sie reduzieren die Dopaminausschüttung einer Nervenzelle, wodurch diverse Prozesse im synaptischen Spalt geblockt werden und letztlich die körperliche Aktivität reduziert werden kann. Während Stimulanzien auf Dopamin spezialisiert sind, gibt es weitere Medikamentengruppen, die auf andere Botenstoffe „spezialisiert“ sind und somit andere Prozesse hemmen. Als Beispiele seien hier Psychopharmaka wie beispielsweise Trizyklische Antidepressiva, Serotonin – Noradrenalin – Wiederaufnahmehemmer (SNRI) oder Noradrenalin – Wiederaufnahmehemmer (NARI) etc. genannt.

Um medikamentös auf das Krankheitsbild eingreifen zu können, ist eine exakte Diagnose notwendig, da nur im Falle eines nachgewiesenen ADHS von einem Botenstoffungleichgewicht ausgegangen werden kann, welches von den entsprechenden Medikamenten reguliert werden kann. Im Falle eines ADHS spricht man von einer so genannten Ausschlussdiagnostik, was bedeutet, dass in vielen Bereichen Untersuchungen anzusetzen sind. Dabei spielt in besonderer Weise die genaue Beobachtung durch an der Erziehung beteiligte Personen eine große Rolle. Im Bereich der Diagnose werden demnach verschiedene Bereiche untersucht. Diese sind:

  1. Auffälligkeiten im familiären Umfeld, und somit eine gezielte Befragung der Eltern
  2. Auffälligkeiten im außerfamiliären Umfeld und somit die Befragung der ErzieherInnen oder LehrerInnen
  3. Der Patient selbst, in der Regel durch die Erstellung eines psychologischen Gutachtens und
  4. durch eine ärztliche (klinische) Diagnostik, die primär organische Probleme als Ursache für das auffällige Verhalten ausschließen soll.

Die Diagnose des Aufmerksamkeits – Defizit – Hyperaktivitäts – Syndroms (ADHS), insbesondere die Abgrenzung zwischen Krankheitsbild und generell schwierigem Verhalten aufgrund anderer Ursachen, ist nicht immer einfach. Sie liegt, vor allem aufgrund der Tatsache, dass es sich hier um ein Syndrom, also eine Zusammensetzung verschiedener Haupt- und Nebensymptome handelt, in der Hand eines erfahrenen Kinder- und Jugendpsychologen und / oder eines Kinder- und Jugendarztes mit entsprechender Spezialisierung. Das Krankheitsbild des ADHS ist in der ICD 10 (= International Classification of Diseases and Related Health Problems), einer durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen Krankheitsklassifikation, verankert. Nach der Diagnosestellung ist es wichtig, die richtige Therapieform zu finden. Diese ist den Symptomen des Patienten in entsprechender Weise anzupassen. Eine Therapie sollte nicht einseitig angelegt sein, sondern auf mehreren Ebenen ansetzen.

Unterschieden werden:

  • Die Förderung des Kindes im häuslichen Umfeld
  • Die medikamentöse Therapie des ADS
  • Die psychotherapeutische und heilpädagogische Therapie des ADS
  • Die Ernährungstherapie des ADS

ADHS – Kinder brauchen – viel mehr als Kinder ohne solche Probleme – klare Strukturen und Regeln in ihrem Leben. Das Kernproblem dieser Kinder ist es, dass viele Reize auf sie einströmen und sie dadurch überfordert sind. Zu richtigem und demzufolge angemessenem Reagieren sind sie nur selten fähig. Eine Kombination dieser verschiedenen Therapiemaßnahmen ist natürlich möglich. Der behandelnde Arzt und / oder Psychologe, bzw. Psychiater kann gezielte und individuelle Therapiefragen klären.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass oftmals auch der Familie durch ein ADHS – Kind sehr viel abverlangt wird, sodass Geschwisterkinder unter Umständen den Eindruck haben, zu kurz zu kommen oder auch Ehepartner dem Stress nicht gewachsen sind. Aus diesen Gründen kann eine psychotherapeutische Therapie nicht nur für das ADHS – Kind, sondern auch für die Familie (Familien- und / oder Paartherapie) ratsam sein. Weitere Informationen finden Sie unter: ADHS